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Die evolutionäre Power der Blockchain

 

Die digitale Durchdringung sämtlicher industrieller, sozialer und verwaltungstechnischer Prozesse  hat zu einer umfangreichen Sicherheitsdebatte geführt. Allzu häufig und zudem mit teilweise katastrophalen Auswirkungen haben so genannte Hacks oder Datenverluste den umfassenden Bedarf an IT-Sicherheit ganz oben auf die »To Do Liste« gebracht. Dies unterstreichen sowohl die Regierungsstellen als auch deren Strategen aus Wissenschaft und Administrationen.

In diesem Fahrwasser ist die Blockchain-Konzeption eine favorisierte Zielvorstellung geworden. Die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften acatech, die in Deutschland in nahezu allen aktuellen Zukunftsfragen zur »Vordenker-Instanz« der politisch Verantwortlichen wurde, hat dazu angeführt: »Disruptive Innovationen wie die Blockchain-Technologie haben das Potenzial, etablierte Prozesse und Geschäftsmodelle in verschiedensten Anwendungsfeldern in Frage zu stellen. Erfolgreiche Modelle zeigen sich nicht nur in der Finanzbranche. Auch im Bereich der Logistik oder dem E-Government etablieren sich international neue Lösungen. Die Aufgabe von acatech ist es, die mit neuen Technologien verbundenen Chancen und Herausforderungen frühzeitig zu erkennen und zu bewerten.«

Beispiele für eine fehlerhafte Einschätzung neuer Technologien gäbe es zuhauf, daher sei es opportun, auch hergebrachte oder bewährte Konzepte zu hinterfragen oder zu ersetzen. Die anfänglich vor allem von Cyber-Kriminellen genutzte Cyber-Währung »Bitcoin« basiert auf einer Blockchain und gilt auch in Expertenkreisen als sicher, trotz erkennbarer strategischer Schwächen. So lassen sich mit Bitcoin weltweit nur rund sieben Transaktionen pro Sekunde bewältigen. Des Weiteren bewirkt der hohe Energieverbrauch, der beim rechenintensiven »Schürfen« von Bitcoin und Co. anfällt, heftigen Unmut bei Umweltschützern, Regierungen und Krypto-Kritikern. Im Jahr 2017 ist er z. B. um das Achtfache gestiegen

Trotzdem ist der Bitcoin durch Blockchain fälschungssicher, und daraus folgt logischerweise die Überlegung, diese Technologie auch in anderen Anwendungen zu nutzen. Die Blockchain ist eine Datenbank, die aus einer Kette (chain) von Datenblöcken (block) besteht.  Diese Kette wird dauernd um neue Blöcke erweitert, in denen Transaktionen abgelegt werden. Welche Informationen dabei in den Datenblöcken gespeichert werden – Bitcoins, Besitzurkunden, Frachtbücher – ist egal. Prof. Dr. Henning Kagermann, früherer SAP-Vorstand und acatech-Präsident wird diesbezüglich wie folgt zitiert: »Die Blockchain ist ein Paradebeispiel für den Querschnitts-Charakter der Digitalisierung: Eine technologische Innovation macht in unterschiedlichen Bereichen neue Ansätze denkbar, Probleme zu lösen.«

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Die Blockchain-Technologie ist weltweit in den Fokus der IT-Experten gelangt. Zu den aktiven Staaten gehört z. B. China, das schon länger Erfahrung mit der Technik sammelt. Im Mutterland des Kryptowährungs-Hypes sitzt die Mehrheit der Bitcoin-Minen. Diese schürften lange völlig unkontrolliert Milliarden Dollar an virtuellen Münzen. Doch das chinesische Krypto-Eldorado wankt. Peking ist das anarchische Treiben der Blockchain-Fans ein Dorn im Auge, will die Technik in den Dienst des Staates stellen.

Professor Roman Beck, Leiter des European Blockchain Center an der IT-Universität Kopenhagen, konstatiert auch für Deutschland einen erheblichen Aufholbedarf in der Entwicklung dieser Schlüsseltechnologie. Beck versucht mit anderen  anderen Experten zurzeit, eine internationale ISO-Norm für die Blockchain zu erarbeiten. »Was viele Delegierte bewegt, ist die Frage, hätte man das Internet besser machen können mit einer frühzeitig flankierenden Standardisierung? Wir werden dies nie herausfinden, allerdings gibt es Ansporn, die Blockchain-Standardisierung bestmöglich zu gestalten«, wird der Chef der dänischen ISO-Delegation zitiert. Mit Ergebnissen rechnet Beck in zwei bis drei Jahren. Manche Länder wollten nur einen Fuß in der Tür haben, während andere bereits eine klare Strategie verfolgten und Ressourcen bereitstellten. Trotz allem verfolgen die Experten eine strenge Linie, zu der auch gehört, dass sich die Blockchain niemals der legalen Kontrollmöglichkeit entziehen dürfe.

Die Anwendung von Blockchain wäre in nahezu allen administrativen Bereichen denkbar: Blockchain würde beispielsweise eine Revolution in der Verwaltung auslösen: »Buchungsprozesse, die Prüfung von Eigentumsverhältnissen, die klassische Sachbearbeitung – all das könnte durch die Blockchain-Technologie digitalisiert werden. Das wird mittelfristig auch negative Folgen haben für die Angestellten.« In der Folge führt das dazu, dass  zukünftig viele Backoffice-Prozesse statt von Menschen von einer verlässlichen Datenbank erledigt werden könnten. IT-Enthusiasten frohlocken bereits, denn »… verknüpft man das wachsende Netz der Werte, die Blockchain, dann mit dem heutigen Netz der Information, dem Internet, könnte am Ende ein völlig neuartiges Gebilde entstehen.« Das Schlagwort dafür steht bereits fest: »Internet der Werte« (Internet of Value). So wie im heutigen Web Informationen zirkulieren, könnten in diesem neuen Weltnetz dann auch Werte um den Globus jagen – Geld, Aktien, Grundstücke, Patente, exklusive Daten aller Art –, sicher und in Sekundenbruchteilen. Bislang sei dieses Szenario nicht mehr als eine ferne Vision. Aber das war das World Wide Web im Jahr 1990 ja auch.

Zitat-Quelle: Blockchain Horizont: ,www.acatech.de

 

Video ansehen: https://www.youtube.com/watch?v=ZRE5G9uy9Oc

Begriffsdefinition: https://www.gruenderszene.de/lexikon/begriffe/blockchain

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